Archiv für März 2016

Erfolgreiche Kronenaktion in Darmstadt

„Wenn jeder ein König ist, braucht niemand mehr der König des Anderen zu sein“. In diesem Sinne verteilten wir, sieben Aktivisten der Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main, in der Darmstädter Innenstadt goldene Pappkronen an Passanten. Damit wollten wir für einen Bewusstseinswechsel werben: Jeder Mensch verdient eine würdige Existenz, unabhängig davon, ob er einer bezahlten Arbeit nachgeht oder nicht. Der Souverän ist der Bürger selbst und nicht derjenige, der ihm bezahlte Arbeit anbietet.
Wir riefen, teils lautstark, den Passanten jene Frage zu, die auf dem Platz vor der Stadtbibliothek immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgte: „Was würdest Du tun, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?“ Auf einer Bodenzeitung konnten Interessierte diese Frage beantworten, indem sie vorgegebene Antworten ankreuzten. Nur wenige stimmten für die Option „Erst einmal entspannen…“.

Kronenaktion Darmstadt 2

So zeigte sich einmal mehr: Jene Ängste, die Produktivität unserer Gesellschaft würde bei Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens sinken, sind unbegründet. Viele würden allerdings die Arbeitszeit reduzieren, zugunsten von Mitmenschen und Familie. Deutlich mehr Teilnehmer brachten auf dem Darmstädter Pflaster Ausdruck, dass sie das Gleiche tun würden wie bislang. Für uns überraschend: Die meisten Stimmen bekam die Option „Kreativer werden, mich sozial und kulturell engagieren“. Es sollte angemerkt werden, dass wir Mehrfachnennungen erlaubten. Das nächste Mal wollen wir nur eine Stimme zulassen.

KronenAktionDA

Die Aktion hat uns sehr viel Spaß gemacht, und wir können nur empfehlen, sie an anderen Orten im Rhein-Main-Gebiet zu wiederholen. Mehr noch als
die Kronen regt die Bodenzeitung zum Gespräch mit den Passanten an. Wir planen, diese Art von Aktion turnusmäßig in Darmstadt zu wiederholen
(mindestens bis uns die Pappkronen ausgehen).

Gleicher Anteil an der unbezahlten Sorgearbeit für Männer und Frauen. Bedinglungsloses Grundeinkommen für Alle.

[UNSER FLUGI ZUM AUSDRUCKEN]

Beethoven

Eine Gruppe Aktivistinnen des Netzwerks Care Revolution in Frankfurt am Main hat zum Internationalen Frauentag eine “Schürzenaktion” durchgeführt. Vier Männerstatuen wurden mit Schürzen bekleidet, die die Aufschrift trugen: “Wir Männer fordern: Gleichen Anteil an der unbezahlten Sorgearbeit. Bedingungsloses Grundeinkommen für Alle, um diese Arbeit leisten zu können”.

Mit der Aktion wollen wir auf die Bedeutung der unischtbaren Arbeit hingeweisen, die zum überwiegenden Teil von Frauen, meist unbezahlt, erledigt wird. Diese Tätigkeiten sind unabdingbar und bilden die Grundlage unseres menschlichen Zusammenlebens, denn sie befriedigen die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse. Trotzdem wird ihnen der Status einer Arbeit verweigert. So entstehen aus dieser Arbeit keinerlei Rentenansprüche, was diejenigen, die viel Lebenszeit damit verbrauchen im Alter oft schmerzlich zu spüren bekommen. [siehe auch hier unseren FLUGI zum Ausdrucken]

Mit der Aktion wollen wir zum internationalen Frauentag darauf hinweisen, dass es in unserer Gesellschaft nicht nur einen Pay-Gap gibt, eine Diskriminierung in der Entlohnung für gleiche Arbeit aufgrund des Geschlechts, sondern auch einen Care-Gap, eine Diskriminierung in der Leistung von größtenteils unbezahlter Sorgearbeit, aufgrund des Geschlechts. Frauen erledigen 80% der Sorgenarbeit. Nur die restlichen 20% werden von Männern geleistet.

Bei den “beschürzten” Männerdenkmälern handelt es sich um Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine und Beethoven. Sie befinden sich auf dem Goetheplatz und in der Taunusanlage. Weitere Fotos der Aktion gibt es
[hier]

Das Netzwerk Care Revolution ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 70 Gruppen und Personen, die in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion – Hausarbeit, Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen und Sexarbeit – aktiv sind. Gemeinsam ist ihnen der Kampf gegen Lücken in der öffentlichen Daseinsvorsorge, die zu Überforderung und Zeitmangel führen. Langfristig streben wir neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an, die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt.