Archiv für November 2016

Ohne Existenzsicherung ist Care Arbeit nicht möglich

UmCarewordle
Wie der Thementag zur Sorgearbeit aufzeigte: gute Sorgearbeit braucht Existenzsicherung. Damit sich Menschen um Menschen kümmern, ist es notwendig, dass sie über Zeit verfügen.

Sorgearbeit ist Arbeit am Menschen. Es geht dabei nicht nur darum, dass ein Mensch satt wird oder sauber, sondern auch, dass sowohl die sorgende Person als auch die Sorgeempfangende in ihrer Interaktion miteinander erfahren, dass sie wertvoll sind, weil sie menschliche Würde haben. Und das ist nur möglich, wenn der Akt der Sorge mit einem Minimum an Achtsamkeit erledigt wird. Angefangen mit der Achtsamkeit der sorgenden Person sich selbst gegenüber. Wenn aber die Sorgetätigkeit immer nur unter Zeitdruck erledigt werden kann, sieht es damit nicht gut aus.

Zeit hat aber nur jemand, der die auszuübende Tätigkeit und ihre Qualität als seine Priorität sieht. Wenn nicht die Tätigkeit an sich Priorität ist, sondern z.B. die Erfüllung eines Leistungsplans mit immer knapper bemessenen zeitlichen Vorgaben, dann entsteht Zeitnot. Weil Zeit dann nicht mehr eine Ressource ist, um eine Tätigkeit auszuüben, sondern eine Ware, die gegen Geld verkauft wird. Nach dem Motto: “Zeit ist Geld”. Oder weil die Zeit, die für Sorgearbeit verbraucht wird, auf Kosten von Zeit geleistet wird, die für anderes benörigt wird, besonders für Erholung. Um selbst wieder Kraft schöpfen zu können. Sorgearbeit – Reproduktionsarbeit – wird untersolchen Bedingungen behandelt wie Produktionsarbeit. Wie Arbeit zur Herstellung von Produkten, die mit einer Gewinnmarge auf einem Markt verkauft werden sollen: Wie Arbeit, die bei steigender Produktivität entsprechend größere Gewinnmargen abwirft.

Wie sollten dann aber die Bemessungskriterien für die Bezahlung von Sorgearbeit sein?

Wie Ingrid Kurz-Scherf in ihrem Einführungsreferat darlegte, wird diese Frage dahingehend beantwortet, dass Sorgearbeit idealisiert und für “unbezahlbar” erklärt wird. Was dazu führt, dass sie weitgehend nicht bezahlt wird. Oder – wenn erwerbsförmig organisiert – schlecht bezahlt wird.

Aber wovon sollen denn die Menschen leben, die große Teile ihrer Zeit für Sorgearbeit verwenden?

Und warum sollen denn nur bestimmte Menschen “unbezahlbare” Sorgearbeit leisten und dafür auf eigenes Geld verzichten?

Das ist die Frage!

Die Einführung eines existenzsichernden Bedingungslosen Grundeinkommens würde hier sehr vieles verändern. Es würde nämlich vielen Menschen die Möglichkeit eröffnen, freier über ihr persönliches Zeitbudget zu verfügen. Sie wären entlastet, Arbeiten ausüben zu müssen, um damit in erster Linie ihre Existenz zu sichern. Diese wäre ja abgesichert. Sie könnten also (größere) Teile ihrer Zeit für Sorgearbeit verwenden. Sorgearbeit für sich selbst und für andere. Sorgearbeit könnte somit gerechter verteilt werden. Und damit würde sich ihre Qualität auch verbessern.

Die Science-Fiction-Welt rauscht an. Oder warum nur ein bedingungsloses Grundeinkommen die Informationsgesellschaft zusammenhalten kann.

von Christian J. Meier

Die Frage, ob man das BGE mit der Automatisierung von immer mehr beruflichen Tätigkeiten begründen soll, möchte ich mit einem klaren Ja beantworten.
Die Automatisierung ist keine Science-Fiction, sie ist eine aktuelle Realität, die gerade dabei ist, unsere Gesellschaft umzuwälzen. Wir sind Zeugen des Anbruchs eines neuen Zeitalters, nach der Agrar- und Industriegesellschaft kommt jetzt die Informationsgesellschaft.
Das hat profunde Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Roboter stürmen lange gehaltene Bastionen menschlichen Könnens. Noch nicht lange her, da wiegten sich zum Beispiel Angestellte der Bekleidungsindustrie in Sicherheit vor der digitalen Revolution. Roboter konnten Vieles, aber eben nicht nähen. Das ist Vergangenheit. Nächstes Jahr will Adidas neue Fabriken in Deutschland und den USA mit nur 300 Mitarbeitern in Betrieb nehmen. Die Angestellten warten die Roboter, zum Nähen von Schuhen braucht Adidas sie nicht. Die Roboter bedrohen die (zweifelhaften) Geschäftsmodelle ganzer Staaten wie Bangladesch oder Kambodscha, die von der Bekleidungsindustrie leben.

Selbst Kopfarbeiter müssen nicht mehr darauf warten, dass Computer mit ihnen in den Ring steigen. Am Universitätsklinikum Marburg hilft die Künstliche Intelligenz „Watson“ einem überlasteten Ärzteteam bei der Diagnose seltener Krankheiten. Die Ärzte haben die Maschine zuvor getestet. Sie ist verdammt gut in dem, was sie tut.
Musiker und Journalisten, deren Arbeit von Streamingdiensten oder Umsonst-Netzinhalten längst massiv entwertet wurde, wissen schon länger, wie sich die digitale Umwälzung anfühlt. Inzwischen schreiben Roboter journalistische Artikel.

Studien belegen den anstehenden Umbruch am Arbeitsmarkt

Laut einer Studie von Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne von der University of Oxford aus dem Jahr 2013 sind in den USA 47 Prozent aller Jobs von der Computerisierung bedroht, die meisten davon nicht etwa in der industriellen Produktion. Sondern Bürojobs, Dienstleistungsjobs und Vertrieb. Auch das Management und die Finanzindustrie gehören zu den Verlierern.
Die Oxforder Studie wurde 2015 auf Deutschland übertragen. Dabei kamen Volkswirte der Bank ING-Diba zu dem Ergebnis, dass 59 Prozent der Jobs hierzulande vom Roboter-Einsatz gefährdet sind, die meisten davon im gering qualifizierten Bereich. Aber auch gut die Hälfte von Handwerksjobs und technischen Berufen stehen zur Disposition. Von den akademischen Berufen sind immerhin gut 10% bedroht.
Vorsichtiger ist eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Demnach haben hierzulande 12 % der Jobs eine hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit.
Die Unterschiede in den Einschätzungen spiegeln subjektive Expertenmeinungen über die tatsächliche Einsetzbarkeit von Robotern wieder. Manche Automaten werden zwar technisch möglich sein, aber nicht oder nicht vollumfänglich angewendet werden. So könnte das autonome Fahren, das die Jobs von Taxi-, Bus- oder LKW-Fahrern bedroht, durchaus wegen ethischer und juristischer Hürden später, eingeschränkt, oder vielleicht auch gar nicht in die Verkehrsrealität einziehen.
Dennoch: 12% der Jobs in Deutschland; das sind mehr als 5 Millionen. Wie gesagt, das ist die vorsichtige Schätzung.
„Die menschliche Arbeit hat immer weniger Anteil an der Produktivität“, resümierte jüngst Yvonne Hofstetter, Gründerin eines KI-Dienstleisters (KI= Künstliche Intelligenz).
Dem wird oft entgegengehalten, die wegfallenden Jobs würden durch anspruchsvolle Computerjobs ersetzt.
Diese Argumentation erklärt nicht, wie es gelingen soll, all die gering qualifizierten Arbeiter in fordernde, hochqualifizierte Jobs zu bringen. Und auch nicht, warum die Wirtschaft Roboter einsetzen soll, wenn sie danach genauso viele Leute beschäftigen muss, denen sie wegen ihrer dann höheren Qualifikation mehr Geld bezahlen muss. Das wirtschaftliche Ziel der Automatisierung ist die Einsparung von Lohnkosten. Dass die aufs Abstellgleis Gestellten alle brillante Geschäftsmodelle für die neue digitale Welt ersinnen und vom Underdog zum Selfmade-Man werden, kann ich auch nicht glauben.
Da muss ich eher Siemens-Chef Joe Kaeser recht geben, der jüngst sagte, es würden „einige auf der Strecke bleiben, weil sie mit der Geschwindigkeit auf der Welt einfach nicht mehr mitkommen“.
Dass wir ein Volk von Computerspezialisten und hoch qualifizierten Gutverdienern mit schwer automatisierbaren Jobs werden, ist eine Utopie. Die Vollbeschäftigung ist in der Zukunft eine Utopie. Wie die Zukunft im schlechten Fall aussieht, kann man im Silicon Valley schon heute beobachten. Dort leben Mitarbeiter von Google in einer Hightech-Parallelwelt, während der Mittelstand bröckelt, und viele seiner ehemaligen Mitglieder trotz Job nicht mehr über die Runden kommen, ja oft sogar obdachlos werden.

Die Debatte kommt aus der High-Tech-Branche

Die Frage lautet also nicht, ob wir die Digitalisierung und die damit verbundene Automatisierung wollen. Sondern: Können wir das so umsteuern, dass die Digitale Revolution nicht ein Heer von gering qualifizierten Verlierern produziert, das einer kleinen Clique von Gewinnern dient, als rechtloser Clickworker? Wie lässt sich verhindern, dass Städte veröden, wie die ehemalige Kodak-Stadt Rochester, der die Digitalisierung ihr wirtschaftliches Rückgrat gebrochen hat.

Die Politik können wir vorerst vergessen. Wenn Politiker über die Digitalisierung reden, gewinnt man den Eindruck, dass sie sich des Ausmaßes dieser Umwälzung nicht bewusst sind. Das ist die freundliche Interpretation. Es ist offensichtlich, dass Angela Merkel in ihrer bräsigen, buddhamäßigen Selbstzufriedenheit den anstehenden Wandel nicht gestalten wird. Das bleierne Weiter-so kommt fatalerweise beim deutschen Wähler bestens an.
Den Part, den Wandel in die Debatte zu bringen und sozialpolitische Veränderungen einzufordern übernehmen indessen Wirtschaftsführer aus der Hightech- und KI-Branche, wie Joe Kaeser, Telekom-Chef Thimoteus Höttges, Tesla-Gründer Elon Musk, oder Vertreter der KI-Branche wie Yvonne Hofstetter (Teramark Technologies) oder Chris Boos (Arago). Sie sehen wohl die Akzeptanz für ihre Technologien gefährdet und fürchten einen Maschinensturm. Die Gesellschaft könnte „Nein“ zur Automatisierung sagen, wenn diese immer mehr Menschen ins Abseits stellt.

Das BGE als Kitt einer bröselnden Informationsgesellschaft

Die Automatisierer selbst fordern daher ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE).
Kann das BGE der Kitt sein, der die bröckelnde Informationsgesellschaft zusammenhält?
Ich denke ja, sofern es Existenz und gesellschaftliche Teilhabe absichert. Denn dann entfiele der Zwang der Zurückgebliebenen, sich als Clickworker durchschlagen zu müssen. Städte müssten nicht veröden, weil es keine Notwendigkeit gibt, in eines der hippen, florierenden und somit exorbitant teuren Zentren zu ziehen, in denen die Digitalwirtschaft zu Hause ist.
Alternative, weniger durchtechnisierte Lebensweisen wären leichter zugänglich. Die Menschen wären auch hinsichtlich der Informationstechnologien freier und könnten nur jene Maschinen in ihr Leben lassen, die ihnen wirklichen Nutzen bringen. Die dystopische Versklavung des Menschen durch die Maschine würde nicht funktionieren.
Auf der anderen Seite würde die Wirtschaft das Millionenheer der Zurückgebliebenen als Konsumenten behalten. Smartphones kaufen keine Smartphones, könnte man in Abwandlung des Zitates des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger sagen („Autos kaufen keine Autos“).

Wenn Konsumenten nur das tatsächlich Nützliche kaufen, dann halte ich auch das oft belächelte Roboter-Schlaraffenland für möglich. Schon heute kosten wir die Wohlstands-Dividende der Digitalisierung aus. Zum Beispiel müssen wir für Einkäufe und Banküberweisungen das Haus nicht mehr verlassen. Die Sharing-Economy gibt uns neue Formen des Konsumierens in die Hand.
Auch der Umwelt- und Klimaschutz braucht die Informationstechnologien. Ohne ein comptuergesteuertes Smart-Grid ist ein Gelingen der Energiewende unmöglich.

Wir BGE-Befürworter sind somit gut beraten, die Automatisierung als Argumentationshilfe für unser Anliegen zu nutzen. Diese Debatte ist bereits in der öffentlichen Debatte angekommen. Es wäre eine Art politisches Ungeschick, diesen Drive nicht zu nutzen, oder ihm gar entgegenzuwirken.

Das (Horror-)Märchen vom Roboter-Schlaraffenland Warum das Bedingungslose Grundeinkommen nicht mit Automatisierung begründet werden kann und soll

von Eric Manneschmidt

In der BGE-Szene hören wir oft das Argument, wir bräuchten ein BGE, weil uns Roboter bzw. Maschinen immer mehr Arbeit abnähmen und zumindest die freigesetzten „Überflüssigen“ eine alternative Existenzmöglichkeit benötigten.1 Manchmal wird noch weiter gegangen und postuliert, dass niemand dann mehr arbeiten müsse und wir eigentlich in dieser schönen Zukunft alle nur noch Künstler sein werden.

Diese Argumentation hat einige Tücken.

Wenn wir von Automation reden, denken wir immer implizit Mechanisierung mit, also das Ersetzen der physischen Arbeitskraft von Menschen oder Tieren durch Maschinen. Die Mechanisierung ist eng mit der industriellen Revolution verbunden und hat einen gigantischen Produktivitätsschub gebracht. Allerdings hat sie auch eine erhebliche Zerstörungskraft gegenüber Mensch und Umwelt entfaltet – und in mancherlei Hinsicht eher den Menschen der Maschine unterworfen als umgekehrt. Beispiele dafür sind Schichtarbeit und andere Anpassungen des Biorhythmus an Industrievorgaben, regelmäßiger Konsum leistungssteigernder Substanzen, die autofreundliche Stadt als Leitbild, und generell Verlärmung, Verschmutzung und Flächenverbrauch durch alle motorisierten Verkehrsträger sowie die Industrieproduktion selbst. Der stark gestiegene Ressourcenverbrauch und Energiehunger der Industriegesellschaften führt seit Jahrzehnten regelmäßig zu Kriegen und Umweltzerstörung. In Form des Klimawandels, der Verschmutzung der Gewässer und der Bodendegradation wird er sogar zur Bedrohung für die Zivilisation selbst.

Die Automatisierung dieser mechanisierten Produktionsprozesse nahm ebenfalls zu, so dass nicht nur der Einsatz der menschlichen Körperkraft, sondern auch der Einsatz des Menschen bei der Steuerung der Maschinen und Abläufe in Produktion, Verwaltung und Logistik immer entbehrlicher wurde. Auch dieser Vorgang war Segen und Fluch zugleich, denn einerseits wurden Menschen von möglicherweise wenig erfüllender manchmal sogar gefährlicher und gesundheitsschädlicher Arbeit befreit, andererseits gäbe es ohne Automatisierung wohl keine Tabakepidemie mit jährlich sechs Mio. Toten2, keine Überproduktion mit geplanter Obsoleszenz und Bergen von Wohlstandsmüll3 und es gäbe auch nicht den – ökonomisch völlig sinnlosen – Hochfrequenzhandel. Alles Phänomene, die langfristig mehr (meist unbezahlte) Arbeit verursachen, Nerven, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit kosten.4

Auch im Bereich der Werbung wird die Autonomie des Individuums durch automatisierte Datensammelei und mithilfe von ausgeklügelten Algorithmen gestrickte individualisierte „Kundenansprache“ eher geschwächt als gestärkt. Überwachung durch Drohnen und Software stellt eine grundsätzliche Bedrohung der Bürgerrechte dar, Zukunftsszenarien von durch die oder mit Hilfe der neuen Technologien vollständig fremdbestimmten Menschen sind in Film und Literatur reichlich vorhanden, viele davon erschreckend realistisch.

Es kommt sowohl bei Mechanisierung als auch bei Automatisierung also darauf an, was wir daraus machen.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Maschinen dosiert und smart einzusetzen, künstliche Intelligenz darauf zu trainieren, Ressourcenverbrauch zu minimieren statt Produktion und Profit zu maximieren – und dabei datensparsam und menschenfreundlich zu vorzugehen. Doch das ist noch der Ausnahmefall, außerdem gibt es Rebound-Effekte5, die etwaige Effizienzgewinne oftmals wieder auffressen.

Das Problem der sehr ungleichen Verteilung der erzielten Gewinne ließe sich mit einem (weltweiten!) BGE wohl lösen. Es bleibt aber die sehr reale Gefahr, dass wir uns (weiterhin) der – dann auch noch intelligenten – Maschine unterwerfen6, statt uns diese dienstbar zu machen, und noch dazu unsere natürlichen Lebensgrundlagen, die ja auch noch für unsere Nachkommen wichtig sind, dem etwas schalen Traum vom Roboter-Schlaraffenland opfern.7

Müssen wir ja gar nicht
Fakt ist: Wir brauchen Automation weder um die Notwendigkeit der Einführung des BGE zu begründen, noch um dieses zu finanzieren.

Das Bedingungslose Grundeinkommen soll in großem Stil Kooperation (nicht nur und nicht unbedingt Arbeitsteilung) ermöglichen. Es ist sozio-ökonomisch die Synthese zweier menschlicher Grundbedürfnisse, nämlich nach Autonomie und nach Verbundenheit8. Es ging beim BGE nie um die Abschaffung der Arbeit, sondern darum, diese individuell und gesamtgesellschaftlich mit Sinn zu füllen und sie im Einvernehmen untereinander besser zu verteilen. In dem Slogan “die Roboter nehmen uns die Arbeit ab“ ist davon wenig zu spüren. Da Roboter schwerlich Sinnfragen beantworten können, klingt das eher so, als ginge es darum, den Menschen noch weiter auf eine passive Rolle als unersättlichen Konsumenten zu reduzieren. Entsprechend harsch ist dann zuweilen die Kritik – am BGE.9

Außerdem geht in der ganzen Diskussion die nicht oder nur eingeschränkt automatisierbare und mechanisierbare – oft unbezahlte und unsichtbare – Arbeit wieder einmal unter bzw. kommt nur zum kleinen Teil vor: das kreative Schöpfertum und die weniger hippe, aber existenzielle Sorge- und Demokratiearbeit. Und diese Arbeit muss – Automation hin, Grundeinkommen her – einfach gemacht werden.10

Zwar können Maschinen und Software dabei durchaus hilfreich sein, aber es braucht eben immer den Menschen, der sich kümmert, um sich, seine unmittelbar Nächsten und um die Gesellschaft als Ganzes. Damit er dies tut, braucht es eine Bindung an die Gemeinschaft und diese würde durch ein gemeinsam beschlossenes Grundeinkommen vermittelt bzw. gestärkt.

Das zentrale Ziel des BGE ist es, Menschen die psychisch und physisch existenziellen künstlerischen, gesellschaftlichen und sorgenden Arbeiten ohne existenzbedrohende Selbstaufopferung zu ermöglichen. Keine Angst vor Altersarmut bei Müttern (und Vätern), kein auf Selbstausbeutung gegründetes Engagement von Sozialarbeitern, Menschenrechtlern, Umweltschützern, Tüftlern, Nachwuchsakademikern, Flüchtlingshelfern und Journalisten: Das ist das Ziel des BGE und zwar eines, das nicht von technologischer Entwicklung oder der Verfügbarkeit bestimmter Rohstoffe oder Technologien abhängig ist oder sein darf. Dieses Ziel und nicht der Verweis auf eine ohnehin nur in beschränktem Maße mögliche (und vielleicht auch nicht immer wünschenswerte) Automatisierung ist das grundlegende Argument für ein BGE.

Finanzierbar ist das BGE sowieso, dazu braucht es keine Roboter. Denn die Finanzierbarkeit entscheidet sich erstens an der Höhe des gemeinsam als sozio-kulturelles Minimum festgelegten Lebensstandards und zweitens an der gemeinschaftlich erbrachten Produktionsleistung zuzüglich bereits existierender Werte (wie Wohnraum, Infrastruktur, Wissen).

Theoretisch könnte ein BGE in einer rein agrarischen Gesellschaft eingeführt werden, indem jedes Jahr ein Zahlungsmittel an alle Mitglieder der Gemeinschaft verschenkt wird, in gleicher Höhe pro Kopf, für das sie die landwirtschaftlichen Überschüsse anderer auf einem Markt erwerben können. Wichtig ist die gemeinsame Abstimmung über die Höhe des Grundeinkommens, damit die entsprechende Besteuerung der Gewinne oder Umsätze derjenigen, die ihre Produkte absetzen können, legitimiert und durchsetzbar ist.
Es wäre eine solidarische Gesellschaft ohne Bevormundung – und ohne Roboter.

Auf dieser – rein theoretischen – Grundlage lässt sich eine technologische Entwicklung denken, die jederzeit reflektiert und am Gemeinwohl ausgerichtet ist.

Denn es wäre auch deswegen fatal, das BGE an der Automation anzuhängen, weil wir zu dieser dann keine Alternative mehr haben. Das erinnert doch sehr an die marxistisch-leninistische Ideologie, dass ohne forcierte Industrialisierung, oft genug über Leichen gehend, das gute Leben nicht zu erreichen sei. Mit der Folge, dass am Ende trotz aller Leichenberge und Umweltsauereien nur eine kleine Elite von Privilegierten, Funktionären und Oligarchen ein einigermaßen sorgloses oder doch zumindest luxuriöses Leben führt, sich das Heilsversprechen für die Masse jedoch keineswegs erfüllt hat.11
Automatisierung oder Digitalisierung führt nicht automatisch zum BGE und darf nie alternativlos sein, schon alleine deswegen können wir das BGE nicht darauf gründen.12

Mit dem BGE einzusteigen in eine wirklich kooperative Gesellschaftsform ist einfach nur eine Frage des politischen Willens und letztlich vollkommen unabhängig von irgendeiner bestimmten technologischen Entwicklung.13 Es ist wichtig, dass alle BGE-Befürworter dies begreifen.

………….
Eric Manneschmidt ist Mitgründer der Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main

  1. http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/digitale-revolution-telekom-timotheus-hoettges-interview http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/weltwirtschaftsforum/sap-vorstand-leukert-sagt-ein-grundeinkommen-hilft-allen-14026906.html http://www.brandeins.de/archiv/2016/das-neue-verkaufen/albert-wenger-im-interview-wir-haben-eine-historische-chance/ FsV-Thesen: 1. Heute aber wird menschliche Arbeitskraft mehr und mehr durch „Maschinen“ (Automaten, Computersoftware) ersetzt. 3. Innovationen (…) ermöglichen es Arbeitsabläufe zu automatisieren und menschliche Arbeitskraft einzusparen. 4. Freiheit der Bürger ist auch Freiheit von unnötiger Arbeit, die durch programmierbare Automaten verrichtet werden kann. 7. (…) daß Bürger – ohne Not – dauerhaft zu Tätigkeiten gezwungen werden, die automatisierbar sind. Automatisierbare Arbeit ist ersetzbare Arbeit; ersetzbare Arbeit kann nicht sinnstiftend sein. http://www.freiheitstattvollbeschaeftigung.de/de/thesen http://www.grundeinkommen.ch/wef-roboter-fuer-grundeinkommen/ [zurück]
  2. Robert N. Proctor: Golden Holocaust. Origins of the Cigarette Catastrophe and the Case for Abolition. Auf der anderen Seite der wunderbaren Automatisierung der Tabakindustrie in Deutschland und anderen Industrienationen gehört Kinderarbeit zum Standard in den Anbauländern des Globalen Südens, siehe http://unfairtobacco.org/ – ein Muster, das sich so ähnlich wohl auch zeigt, wo die für die Digitalisierung und Automation relevanten Rohstoffe oft unter erbärmlichen Umständen von praktisch rechtlosen Menschen aus der Erde gekratzt werden – in Handarbeit. https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/AdWfP/AdWfP_Die_Kosten_des_Rauchens_in_Deutschland.pdf [zurück]
  3. Siehe z.B. http://www.sueddeutsche.de/wissen/kunststoff-im-ozean-mehr-plastik-als-fische-im-meer-1.2826984 [zurück]
  4. Nicht zu vergessen ein ganzes Bündel von Wohlstandskrankheiten aufgrund von Bewegungsmangel, Substanzmissbrauch und Fehlernährung. [zurück]
  5. Wer ein verbrauchsärmeres Auto kauft, fährt danach mehr, weil es ja weniger verbraucht… https://de.wikipedia.org/wiki/Rebound_%28%C3%96konomie%29 [zurück]
  6. „Auch vor den Gefahren künstlicher Intelligenz hat Hawking bereits mehrmals gewarnt. Vom Menschen geschaffene Maschinen könnten eines Tages klüger werden als ihre Schöpfer – und eine Gefahr für den Fortbestand der Menschheit darstellen.“ http://taz.de/Astrophysiker-warnt-vor-Weltuntergang/!5269262/ [zurück]
  7. Machmal sind sogar Forderungen zu vernehmen, weitere Mechanisierung/Automation auf keinen Fall z.B. durch Abgaben auf Ressourcenverbrauch oder Umweltsteuern zu hemmen, damit die Roboter auch ja zum Zuge kommen können. Dabei ist in der Tat heute schon der Produktionsfaktor Energie gegenüber dem der menschlichen Arbeit privilegiert – und Umweltkosten werden systematisch externalisiert. Richtig wäre hingegen eine derartig umfassende Besteuerung des Umweltverbrauchs, dass Maschinen nur so eingesetzt werden, dass sie einen echten Effizienzgewinn bedeuten. http://sfv.de/sachgeb/Energie4.htm http://www.umsteuern-mit-energiesteuern.de/artikel/arbeitsentlastungssteuer.html [zurück]
  8. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/interview-mit-hirnforscher-gerald-huether-erst-die-arbeit-macht-uns-zu-menschen-13963189.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 [zurück]
  9. z.B. „Rente für die Überflüssigen“ von Matthias Greffrath (14.1.16): http://www.taz.de/!5265279/ und „Vergesst das Bedingungslose Grundeinkommen“ von Rainer Hank (26.1.16): http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/was-nichts-kostet-ist-auch-nichts-wert-14030328.html [zurück]
  10. Dazu auch: https://inabea.wordpress.com/2015/09/29/die-feministische-care-oekonomie-das-bedingungslose-grundeinkommen-und-postpatriarchale-religion-eine-noch-nicht-verwirklichte-allianz-fuer-das-gute-leben-aller/ [zurück]
  11. Telekom-Chef Timotheus Höttges sagt „Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens. (…) Es könnte eine Lösung sein – nicht heute, nicht morgen, aber in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat.“ Für ihn kommt also erst die Digitalisierung/Automation, dann das BGE. Keineswegs fordert er ein BGE, damit eine solche Gesellschaft von Existenzangst befreiter Individuen dann entscheiden kann, was und wie wir in Zukunft produzieren und uns organisieren wollen. http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/digitale-revolution-telekom-timotheus-hoettges-interview (29.12.15) SAP-Vorstand Bernd Leukert spricht von „digital vernetzten Haushalt“, der eindeutig Datenschutzprobleme mit sich bringen würde und potentiell durch Hacker angreifbar wäre. Die Frage, ob wir so etwas überhaupt haben wollen, stellt sich für ihn anscheinend nicht. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/weltwirtschaftsforum/sap-vorstand-leukert-sagt-ein-grundeinkommen-hilft-allen-14026906.html (21.1.16) [zurück]
  12. Sehr lesenswert zur Digitalisierung als Ideologie: ‚Der Golem und du‘ von Wolf Lotter in der Brandeins 07/2016 https://www.brandeins.de/archiv/2016/digitalisierung/einleitung-wolf-lotter-der-golem-und-du/ [zurück]
  13. Vielleicht mit einer Ausnahme: Vermutlich macht erst ein modernes – allerdings staatlich oder direkt per Volksentscheid kontrolliertes – Geldsystem eine solche kooperative Gesellschaft auf globalem Niveau organisierbar. Das Gleiche könnte für das Internet als unabdingbares Mittel der gemeinsamen Willensbildung gelten. [zurück]

UmCARE! Sozialpolitischer Thementag zur Sorgearbeit – 19.11.2016 im Haus am Dom

“In einem reichen Land wie Deutschland muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder Mensch ausreichend finanzielle und zeitliche Ressourcen hat, um ein Leben in Würde führen zu können. Um für sich selbst und für andere zu sorgen.” erklärt Prof. Dr. Gabriele Winker, Initiatorin des bundesweiten Netzwerks Care Revolution. “Es muss selbstverständlich sein, dass jede Person selbst entscheiden kann, in welchem Umfang sie für Freund_innen und Angehörige sorgt, ohne dadurch übermäßige Einschränkungen und Belastungen tragen zu müssen.” Doch leider ist das nicht gegeben. Im Gegenteil, auch und gerade in der Sorgearbeit spitzt sich die Krise immer mehr zu.

Das muss und das kann sich ändern, wie ein Sozialpolitischer Thementag zur Sorgearbeit am 19.11.2016 im Haus am Dom aufzeigen will. Zusammen mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, dem kath. Bildungswerk, der kath. Akademie Rabanus Maurus und dem Cornelia Goethe Centrum der Goethe Universität hat die Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Frankfurt Rhein-Main, Gründungsmitglied des Regionalnetzwerks Care Revolution Rhein-Main, unter dem Titel UmCARE diesen Thementag organisiert. Ziel der Veranstaltung ist es, ein Umdenken in der Zivilgesellschaft und bei den politischen Entscheidungstragenden anzustoßen über Bedeutung und Wertschätzung von Sorgearbeit.

Viele Menschen leben an der Armutsgrenze, ohne ausreichenden Wohnraum. Sie leben unter Zeitstress, können viele Fähigkeiten nicht entwickeln und leiden an Erkrankungen, die durch Überlastung und Armut verursacht sind. Insbesondere Menschen mit hohen Sorgeaufgaben gegenüber Kindern oder unterstützungsbedürftigen Freund_innen und Angehörigen fehlen zeitliche und finanzielle Ressourcen. Ihnen droht (Alters-)Armut. Ihre Arbeit wird nicht gebührend wertgeschätzt. Als Erwerbsarbeit ist Sorgearbeit weitgehend unterbezahlt und muss unter immer schlechteren Bedingungen geleistet werden.

Nun ist Wirtschaft entgegen landläufiger Meinung nicht (nur): Märkte, Bruttosozialprodukt und Erwerbsarbeitsplätze. Wirtschaft umfaßt vielmehr alle Tätigkeiten, die notwendig sind, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Dazu gehören auch Putzen, Kochen, Waschen, Kinderbetreuen, Kranke und Alte pflegen, Behinderte unterstützen, sich gesellschaftspolitisch für das Gute Leben für Alle einzusetzen. Diese Aufgaben müssen ins Zentrum der wirtschaftspolitischen Agenda gerückt werden. Sie müssen, weil unverzichtbar für unser Wohlbefinden, gebührend wertgeschätzt werden. Da Menschen auf gegenseitige Unterstützung angewiesen sind, muss Solidarität gesellschaftlich organisiert werden. Fürsorglichkeit und Beziehungsarbeit müssen heute unabhängig von traditionellen Geschlechterbildern neu bewertet und neu gestaltet werden. Die erwerbsförmig organisierte Sorgearbeit darf nicht der Profitlogik unterworfen werden, denn es geht um den Menschen, nicht um Produktion von Waren.

Ziel von Politik dürfen nicht Profit und “Wirtschaftswachstum” sein, sondern das Wohlbefinden der Menschen. Eine große UmKEHR/UmCARE muss stattfinden, damit die weltweit wachsende Existenzangst und das Unbehagen an unseren Lebensbedingungen nicht immer größere Bevölkerungsgruppen ergreifen. Wir brauchen eine Care-zentrierte Ökonomie. Und wir brauchen ein Bedingungsloses Grundeinkommen.

Im ersten Teil des Tagung wird Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf eine Diagnose der gegenwärtigen Situation skizzieren, die in Workshops zu Flucht, Pflegenotstand und Ausbeutung in der häuslichen Betreuung vertieft werden. Im zweiten Teil wird Prof. Dr. Gabriele Winker Perspektiven aufzeigen, wie wir diese Krise überwinden können. Einige davon werden ebenfalls in Workshops thematisiert werden, nämlich das Bedingungslose Grundeinkommen, neue Wohnformen, die das Miteinander fördern, der gewerkschaftliche Kampf um Qualifizierung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen im erwerbsförmig organisierten Care-Bereich, die konkrete Vernetzung der Betroffenen vor Ort.

Programm der Tagung

BGE Vortrag und Diskussion mit der Jungsozialisten-Gruppe in Bensheim (SPD Bergstraße) am 29.10.2016

Jungsozialisten zeigen großes Interesse an das Thema BGE, auf Anfrage von Marius Schmidt (25), Vorsitzender der Jusos Bergstraße, hat ein Vortrag und eine Diskussion über BGE, im Rahmen eines Workshops, stattgefunden.

Vortrag

Aufklärung über BGE war für die jungen Teilnehmer geboten. Die meisten hatten zwar schon davon gehört aber das Thema ist vielseitig, und so habe ich versucht, der Gruppe die wichtigsten Fragen, Modelle und Fakten rundum das Thema BGE bewusst zu machen.
Denn, was versteht man unter bedingungsloses Grundeinkommen? Einfach nur Geld umsonst? Wie bezahlt man so was? Wie kommt es dass so unterschiedliche politische Strömungen das BGE unterstützen? Welche Ideen und Vorstellungen stecken dahinter?
So habe ich Modelle und Ideen zur Finanzierung präsentiert, dabei habe ich das Modell über die Einkommenssteuer von Robert Carls gezeigt. Weil BGE nur Sinn innerhalb eines Gesellschaftsprojekt macht, habe ich die wichtigsten Richtungen vorgestellt, von der neoliberalen bis zur Degrowth Perspektive.

So Müssen wir immer langfristig in die die Zukunft blicken. Bleiben wir in der Kontinuität des Kapitalismus, des Konsums und der Arbeitergesellschaft oder verabschieden wir uns von einer oder mehreren Ideologien?

Wichtige Fakten, wie die Entkopplung von Arbeit und Wertschöpfung in der Konsumgesellschaft, das schwache Engagement für Arbeit, die höhere Effizienz universeller gegenüber gezielte Sozialleistungen wurden auch erwähnt.

Im Anschluss bin ich auf das konkrete BGE Experiment in der Nouvelle-Aquitaine eingegangen und habe klargemacht dass ein Experiment ein Ziel sei das sowohl Unterstützer wie Skeptiker interessieren sollte.

Diskussion in Kleingruppen

„Ich kann mir nicht vorstellen wie es funktioniert“ Oft genügt schon sich kurz zu überlegen was man selber tun würde mit BGE und was die Anderen wohl tun würden. Die starke Diskrepanz ist vor allem ein Zeichen des Misstrauens in unserer Gesellschaft, dabei ist das Vertrauen dass wir in der Zukunft setzen die Voraussetzung für Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg.

Wenn wir denken dass ein BGE den Arbeitswillen und die Motivation bedrohen würde, so nehmen wir auch an, dass die Wenigsten freiwillig arbeiten und sich engagieren. Nach dieser Hypothese hätten die meisten Bürger also nicht wirklich Lust auf Ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft. Würde man dies nicht denken, dann wäre auch nichts von einer BGE Einführung zu befürchten, da diese Arbeitsneutral wäre.

Egal in welche Richtung man sich dreht, der Kreis schließt sich immer wieder sodass wir zu dem Schluss kommen dass unser Gesellschaftsmodell überdacht werden muss. In dieser Perspektive bieten die BGE Modelle interessante Werkzeuge um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
„Letztlich setzen wir uns schon für ein bedingungsloses Bafög ein, das ist ja auch eine Art BGE“

Letztlich hat man bessere Chancen im Studium wenn man nicht noch nebenher jobben muss. Was ist wenn man von seiner Familie bedingungslose finanzielle Unterstützung bekommt, für das Studium, das Berufsleben oder sonstige persönliche Projekte wie eine Weltreise die sonst nicht möglich wären? Wer hat bessere Perspektiven, der mit bedingungsloser finanzieller Bequemlichkeit oder der mit Geldsorgen der noch nebenher jobben muss um sein Studium zu finanzieren?

Ausnahmen wird es immer geben, sowie Geschichten von Menschen die sich trotzdem durchkämpfen. Aber ist Geldnot wirklich ein guter Anreiz für Erfolg? Statistisch gesehen eher nicht. Welches Schicksal, welcher Lebensweg, vieles hängt davon ab in welchem Umfeld man geboren wird.

Bei den Gesprächen mit den Jusos stellte ich also fest dass wir schon einige Ansichten teilten und das letztendlich ein BGE eine Weiterführung dieser Ansichten sein könnte.
Dabei sind wir uns einig dass konkrete Forderungen für realistische und geteilte Ziele ein guter Weg, um soziale Innovationen zu befördern, und auch im Sinne einer BGE Einführung sind.

Diese Veranstaltung war eine gute Gelegenheit um die Komplexität der BGE Debatte zu verdeutlichen, ich konnte mich über kritische Fragen und interessante Meinungen der Teilnehmer freuen.

Nicolas Cuissot-Lecoeuche