BGE Vortrag und Diskussion mit der Jungsozialisten-Gruppe in Bensheim (SPD Bergstraße) am 29.10.2016

Jungsozialisten zeigen großes Interesse an das Thema BGE, auf Anfrage von Marius Schmidt (25), Vorsitzender der Jusos Bergstraße, hat ein Vortrag und eine Diskussion über BGE, im Rahmen eines Workshops, stattgefunden.

Vortrag

Aufklärung über BGE war für die jungen Teilnehmer geboten. Die meisten hatten zwar schon davon gehört aber das Thema ist vielseitig, und so habe ich versucht, der Gruppe die wichtigsten Fragen, Modelle und Fakten rundum das Thema BGE bewusst zu machen.
Denn, was versteht man unter bedingungsloses Grundeinkommen? Einfach nur Geld umsonst? Wie bezahlt man so was? Wie kommt es dass so unterschiedliche politische Strömungen das BGE unterstützen? Welche Ideen und Vorstellungen stecken dahinter?
So habe ich Modelle und Ideen zur Finanzierung präsentiert, dabei habe ich das Modell über die Einkommenssteuer von Robert Carls gezeigt. Weil BGE nur Sinn innerhalb eines Gesellschaftsprojekt macht, habe ich die wichtigsten Richtungen vorgestellt, von der neoliberalen bis zur Degrowth Perspektive.

So Müssen wir immer langfristig in die die Zukunft blicken. Bleiben wir in der Kontinuität des Kapitalismus, des Konsums und der Arbeitergesellschaft oder verabschieden wir uns von einer oder mehreren Ideologien?

Wichtige Fakten, wie die Entkopplung von Arbeit und Wertschöpfung in der Konsumgesellschaft, das schwache Engagement für Arbeit, die höhere Effizienz universeller gegenüber gezielte Sozialleistungen wurden auch erwähnt.

Im Anschluss bin ich auf das konkrete BGE Experiment in der Nouvelle-Aquitaine eingegangen und habe klargemacht dass ein Experiment ein Ziel sei das sowohl Unterstützer wie Skeptiker interessieren sollte.

Diskussion in Kleingruppen

„Ich kann mir nicht vorstellen wie es funktioniert“ Oft genügt schon sich kurz zu überlegen was man selber tun würde mit BGE und was die Anderen wohl tun würden. Die starke Diskrepanz ist vor allem ein Zeichen des Misstrauens in unserer Gesellschaft, dabei ist das Vertrauen dass wir in der Zukunft setzen die Voraussetzung für Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg.

Wenn wir denken dass ein BGE den Arbeitswillen und die Motivation bedrohen würde, so nehmen wir auch an, dass die Wenigsten freiwillig arbeiten und sich engagieren. Nach dieser Hypothese hätten die meisten Bürger also nicht wirklich Lust auf Ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft. Würde man dies nicht denken, dann wäre auch nichts von einer BGE Einführung zu befürchten, da diese Arbeitsneutral wäre.

Egal in welche Richtung man sich dreht, der Kreis schließt sich immer wieder sodass wir zu dem Schluss kommen dass unser Gesellschaftsmodell überdacht werden muss. In dieser Perspektive bieten die BGE Modelle interessante Werkzeuge um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
„Letztlich setzen wir uns schon für ein bedingungsloses Bafög ein, das ist ja auch eine Art BGE“

Letztlich hat man bessere Chancen im Studium wenn man nicht noch nebenher jobben muss. Was ist wenn man von seiner Familie bedingungslose finanzielle Unterstützung bekommt, für das Studium, das Berufsleben oder sonstige persönliche Projekte wie eine Weltreise die sonst nicht möglich wären? Wer hat bessere Perspektiven, der mit bedingungsloser finanzieller Bequemlichkeit oder der mit Geldsorgen der noch nebenher jobben muss um sein Studium zu finanzieren?

Ausnahmen wird es immer geben, sowie Geschichten von Menschen die sich trotzdem durchkämpfen. Aber ist Geldnot wirklich ein guter Anreiz für Erfolg? Statistisch gesehen eher nicht. Welches Schicksal, welcher Lebensweg, vieles hängt davon ab in welchem Umfeld man geboren wird.

Bei den Gesprächen mit den Jusos stellte ich also fest dass wir schon einige Ansichten teilten und das letztendlich ein BGE eine Weiterführung dieser Ansichten sein könnte.
Dabei sind wir uns einig dass konkrete Forderungen für realistische und geteilte Ziele ein guter Weg, um soziale Innovationen zu befördern, und auch im Sinne einer BGE Einführung sind.

Diese Veranstaltung war eine gute Gelegenheit um die Komplexität der BGE Debatte zu verdeutlichen, ich konnte mich über kritische Fragen und interessante Meinungen der Teilnehmer freuen.

Nicolas Cuissot-Lecoeuche