Hanau diskutiert über das bedingungslose Grundeinkommen

Christian J. Meier

Bekanntlich ließ Gott Manna regnen, um die Israeliten auf ihrer Wanderschaft zu versorgen. Für Ralf Weidner ist das Himmelsbrot ein Sinnbild für das Leben als ein Geschenk Gottes. Diese und andere Bibelstellen, findet der Kirchenmann vom Hauauer Sprengel der Evangelischen Kirche Hessen-Waldeck, führen direkt zum vergleichsweise profanen Thema des bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). So empfiehlt das Matthäusevangelium: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr … ?“
Welches, wenn nicht dieses Anliegen, hätte das BGE?
Doch die Arbeitswelt dient in unerfreulich großem Ausmaß dem Überleben, statt dem Leben. Und wer keine Arbeit hat, soll auch nicht essen, wie Franz Müntefering einst, in einer ganz und gar unbiblischen Auffassung von Arbeit, von sich gab. Was bedauerlicherweise einer weit verbreiteten Einstellung entspricht.
Als „Freidenker“, wie Weidner sich sieht, will er „unvoreingenommen Arbeit und Verteilung in unserer Gesellschaft neu denken“. So griff der Theologe zum Telefon, um interessante Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft für eine Diskussionsveranstaltung am Evangelischen Forum in Hanau zu gewinnen.
Am Ende waren es acht und es reichte für eine Doppelveranstaltung zum BGE (einen Flyer gibt es hier). Sie steht unter der Überschrift: „Bedingungsloses Grundeinkommen: Utopie oder Vision?“ Wobei Weidner „Vision“ ausdrücklich als einen positiven Begriff versteht, als ein Ziel, das sich erreichen lässt.
Eine Werbeveranstaltung für das BGE solle es aber nicht werden, betont Weidner, vielmehr ein Beitrag, neue Ideen für die Zukunft des Sozialstaates in die Gesellschaft zu bringen.
Die erste Podiumsdiskussion mit vier Referenten und Publikumsbeteiligung findet am 2. Mai 2017 statt. Sie will das Thema auf der gesellschaftlichen Ebene beleuchten. Referenten sind Axel Ebbecke, CEO der Firma Ebbecke Verfahrenstechnik, Sascha Raabe, Hanauer SPD-Bundestagsabgeordneter, Prof. Dieter Zapf, Arbeits- und Organisationspsychologie von der Frankfurter Goethe-Uni und Ulrike Eifler vom DGB Regionalbüro Hanau.
Die zweite Debatte findet am 16. Mai statt. Sie trägt den Untertitel „Der Mensch zwischen Leistungsgedanken und Verteilungsgerechtigkeit“ und richtet den Blick auf den Einzelnen und was das BGE in ihm bewirkt. Auf dem Podium sitzen Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau, Heike Hengster, Geschäftsführerin der Hanauer Agentur für Arbeit, der Marburger Theologe Prof. Rainer Kessler und der Pfarrer Uwe Seibel, von der Diakonie Hessen.
Weidner ist es gelungen, ein Spektrum an Referenten und Debattanten zu gewinnen, das das gesellschaftliche Spektrum sehr gut wiederspiegelt. Es sind spannende und kontroverse Diskussionen zu erwarten.
Da werde ich gerne hingehen!

Anfragen und weitere Informationen:
Ralf Weidner, Theologe, Fachreferent im Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales
ralf.weidner@ekkw.de


0 Antworten auf „Hanau diskutiert über das bedingungslose Grundeinkommen“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei + = vier