Im Märzen der Bauer den Roboter losschickt

Christian Meier

Vor kurzem ging eine Einladung an unsere BGE-Initiative, an einem „Vision Camp“ teilzunehmen, bei dem Ideen für die Agrarsysteme der Zukunft entwickelt werden sollten. Zunächst war mir der Zusammenhang zwischen bedingungslosem Grundeinkommen (BGE) und Landwirtschaft eher schleierhaft. Doch nachdem ich nun an dem zweitägigen Seminar teilgenommen habe, verstehe ich, wie eng die beiden Themen verknüpft sind. Vor allem, wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft, und noch weiter gefasst: des Ernährungssystems, geht.

Technisierte Landwirtschaft
Foto: Dr.Eugen Lehle, http://bodenlabor.de

Das Format der Veranstaltung, durchgeführt von Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in den Frankfurter Hoffmanns-Höfen fand ich sehr zukunftsweisend. Möglichst alle Beteiligten treffen sich, stellen sich Fragen, brainstormen, entwickeln Ideen: Bauern, Verbraucher, Verbandsvertreter, Experten, Unternehmer. So hofft man den Horizont zu weiten und ohne fachliche Scheuklappen mit einer Art Gruppenintelligenz kreative Ideen für das Ernährungssystem der Zukunft zu entwickeln. Gut so, die Gesellschaft braucht Visionen. Formate wie das „Vision Camp“ scheinen mir dafür geeignet. Bislang ist dies allerdings nur ein Forschungsprojekt und noch keine etablierte Methode. Vielleicht fehlten auch deshalb Politiker und Vertreter jener Lobbyorganisationen, von denen man so oft in der Zeitung liest, etwa dem deutschen Bauernverband.
Einige der Anwesenden sprachen am mich Rande der Veranstaltung auf das BGE an. Meinem Gefühl nach herrschte dem Thema gegenüber eine offene, vielleicht etwas skeptische, Grundhaltung. Bei den Diskussionen und Brainstorming-Runden gelang es mir jedoch nicht, eine Vertiefung anzustoßen, obwohl ich an passenden Stellen den Impuls dazu gab.
Das ist überraschend, denn das Thema BGE drängte sich an manchen Stellen der Diskussion geradezu auf. Der Bauer der Zukunft braucht nämlich Freiheit. Und das BGE ist ein Instrument, um dem Einzelnen Freiheit zu geben.

Neue Abhängigkeiten in der Landwirtschaft 4.0

Warum braucht der Landwirt von morgen diese Souveränität? Da ist einmal die Technisierung. Nicht ob, sondern wie Technik genutzt wird, ist die entscheidende Frage. Der Agrarkonzern Monsanto etwa nutzt eine an sich vielseitig nutzbare Technologie, die Gentechnik, allein für seine Profit-Interessen: Er macht Bauern abhängig von seinem genveränderten Saatgut, das allein resistent gegen das ebenfalls von Monsanto hergestellte Pflanzengift Glyphosat ist. In Zukunft könnten durch innovative Techniken neue Abhängigkeiten entstehen. Beispiel Roboter. Maschinen, die Unkraut mechanisch bekämpfen, statt chemisch, wären eine Chance für eine biologische Landwirtschaft im großen Stil. Ich stelle mir das ähnlich vor wie diese Rasenmähroboter, nur eben ein ganzer Schwarm davon auf einem Feld. Ähnliche Roboter könnten auch das Saatgut ausbringen, oder den Wuchs der Nutzpflanzen überwachen. Wem aber gehören die von dem Roboterschwarm gesammelten Daten? Dem Maschinenhersteller oder dem Bauern? Das ist eine eminent wichtige Frage. Ein Teilnehmer einer entsprechenden Themenrunde sprach in diesem Kontext die Gefahr der „vertikalen Integration“ an. Dabei beherrscht ein Unternehmer die gesamte Wertschöpfungskette. Wie etwa Monsanto, das direkte Kontrolle darüber ausübt, was auf vielen Feldern gepflanzt wird. Hoch technisierte Bauernhöfe könnten in die Fänge der Maschinenproduzenten geraten, falls diese ein ähnliches Geschäftsmodell fahren wie Google: Ware gegen Daten. Im schlimmsten Fall würden die Roboter das aussähen, was der Computer in der Konzernzentrale als die optimale Fruchtfolge ausgerechnet hat. Ein BGE würde den Bauer finanziell weniger abhängig machen und es ihm erlauben in Roboter zu investieren, die vielleicht etwas teurer sind, deren Daten er aber behalten kann.

Auf Augenhöhe mit Lidl und Co.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die emanzipatorische Wirkung des BGE den Landwirten der Zukunft helfen könnte. Die vergrößerte Souveränität würde ihnen auch bei Verhandlungen mit Discountern nutzen. Sie würde es ihnen erlauben, mehr Zeit in die Kommunikation mit dem Verbraucher zu stecken. Dass der Verbraucher-Bauer-Dialog heute zu kurz kommt, wurde auf dem Vision-Camp des öfteren diagnostiziert.
Kurz und gut: Ich bin froh, bei der Veranstaltung dabei gewesen zu sein. In die Runde der BGE-Begeisterten möchte ich den Vorschlag werfen, über ein BGE für Landwirte nachzudenken. Subventioniert wird im Moment die Anbaufläche. Ein ungerechter Anachronismus. Verteilte man das Geld auf die Bauern selbst, dann wäre diese Ungerechtigkeit ausgeräumt und gleichzeitig hätte man einen realen BGE-Test.


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