Beiträge von nicubge

BGE Vortrag und Diskussion mit der Jungsozialisten-Gruppe in Bensheim (SPD Bergstraße) am 29.10.2016

Jungsozialisten zeigen großes Interesse an das Thema BGE, auf Anfrage von Marius Schmidt (25), Vorsitzender der Jusos Bergstraße, hat ein Vortrag und eine Diskussion über BGE, im Rahmen eines Workshops, stattgefunden.

Vortrag

Aufklärung über BGE war für die jungen Teilnehmer geboten. Die meisten hatten zwar schon davon gehört aber das Thema ist vielseitig, und so habe ich versucht, der Gruppe die wichtigsten Fragen, Modelle und Fakten rundum das Thema BGE bewusst zu machen.
Denn, was versteht man unter bedingungsloses Grundeinkommen? Einfach nur Geld umsonst? Wie bezahlt man so was? Wie kommt es dass so unterschiedliche politische Strömungen das BGE unterstützen? Welche Ideen und Vorstellungen stecken dahinter?
So habe ich Modelle und Ideen zur Finanzierung präsentiert, dabei habe ich das Modell über die Einkommenssteuer von Robert Carls gezeigt. Weil BGE nur Sinn innerhalb eines Gesellschaftsprojekt macht, habe ich die wichtigsten Richtungen vorgestellt, von der neoliberalen bis zur Degrowth Perspektive.

So Müssen wir immer langfristig in die die Zukunft blicken. Bleiben wir in der Kontinuität des Kapitalismus, des Konsums und der Arbeitergesellschaft oder verabschieden wir uns von einer oder mehreren Ideologien?

Wichtige Fakten, wie die Entkopplung von Arbeit und Wertschöpfung in der Konsumgesellschaft, das schwache Engagement für Arbeit, die höhere Effizienz universeller gegenüber gezielte Sozialleistungen wurden auch erwähnt.

Im Anschluss bin ich auf das konkrete BGE Experiment in der Nouvelle-Aquitaine eingegangen und habe klargemacht dass ein Experiment ein Ziel sei das sowohl Unterstützer wie Skeptiker interessieren sollte.

Diskussion in Kleingruppen

„Ich kann mir nicht vorstellen wie es funktioniert“ Oft genügt schon sich kurz zu überlegen was man selber tun würde mit BGE und was die Anderen wohl tun würden. Die starke Diskrepanz ist vor allem ein Zeichen des Misstrauens in unserer Gesellschaft, dabei ist das Vertrauen dass wir in der Zukunft setzen die Voraussetzung für Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg.

Wenn wir denken dass ein BGE den Arbeitswillen und die Motivation bedrohen würde, so nehmen wir auch an, dass die Wenigsten freiwillig arbeiten und sich engagieren. Nach dieser Hypothese hätten die meisten Bürger also nicht wirklich Lust auf Ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft. Würde man dies nicht denken, dann wäre auch nichts von einer BGE Einführung zu befürchten, da diese Arbeitsneutral wäre.

Egal in welche Richtung man sich dreht, der Kreis schließt sich immer wieder sodass wir zu dem Schluss kommen dass unser Gesellschaftsmodell überdacht werden muss. In dieser Perspektive bieten die BGE Modelle interessante Werkzeuge um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
„Letztlich setzen wir uns schon für ein bedingungsloses Bafög ein, das ist ja auch eine Art BGE“

Letztlich hat man bessere Chancen im Studium wenn man nicht noch nebenher jobben muss. Was ist wenn man von seiner Familie bedingungslose finanzielle Unterstützung bekommt, für das Studium, das Berufsleben oder sonstige persönliche Projekte wie eine Weltreise die sonst nicht möglich wären? Wer hat bessere Perspektiven, der mit bedingungsloser finanzieller Bequemlichkeit oder der mit Geldsorgen der noch nebenher jobben muss um sein Studium zu finanzieren?

Ausnahmen wird es immer geben, sowie Geschichten von Menschen die sich trotzdem durchkämpfen. Aber ist Geldnot wirklich ein guter Anreiz für Erfolg? Statistisch gesehen eher nicht. Welches Schicksal, welcher Lebensweg, vieles hängt davon ab in welchem Umfeld man geboren wird.

Bei den Gesprächen mit den Jusos stellte ich also fest dass wir schon einige Ansichten teilten und das letztendlich ein BGE eine Weiterführung dieser Ansichten sein könnte.
Dabei sind wir uns einig dass konkrete Forderungen für realistische und geteilte Ziele ein guter Weg, um soziale Innovationen zu befördern, und auch im Sinne einer BGE Einführung sind.

Diese Veranstaltung war eine gute Gelegenheit um die Komplexität der BGE Debatte zu verdeutlichen, ich konnte mich über kritische Fragen und interessante Meinungen der Teilnehmer freuen.

Nicolas Cuissot-Lecoeuche

Konferenz und Diskussion mit den Jungsozialisten in Bensheim am 29.10.16, Quellenangabe

Weiterführende Quellen zur Präsentation „BGE Perspektiven“

Bücher und Publikationen:

BOREL, G. (2015) Travail, Histoire d‘une idéologie, Utopia, Paris
DECI, E., RYAN, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum
GROULX, Lionel-Henri Revenu minimum garanti. Comparaison internationale, analyses et débats, Québec, Presses de l’Université du Québec, coll. « Problèmes sociaux et interventions sociales », 2005, 360 p
MCAFEE, A. BRYNJOFSSON, E. (2014) The second machine age
MYLONDO, B. (2010) Un revenu pour tous, Précis d’utopie réaliste, Utopia, Paris
PFEFFER J. (1998) The human equation. Cambridge: Harvard Business Review Press
SCHWARTZ, Barry (2016). Why we work, Simons & Schuster, Inc., New York
VAN PARIJS, P. (1992) (Hrsg): Arguing for Basic Income. Ethical foundations for a radical reform. New York
WERNER, W. G. (2007). Einkommen für alle, Kiepenheuer & Witsch, Köln

Online Quellen und freie Dokumente:

Walter Korpi and Joakim Palme (1994) ; The Paradox of Redistribution and Strategies of Equality: Welfare State Institutions, Inequality and Poverty in the Western Countries

John Maynard Keynes (London 1936) The General Theory of Employment, Interest and Money

GALLUP ORGANISATION (2013) State of the global workplace, Employee engagement insights for business leader worldwide

Die Zeit, David Graeber über „bullshit jobs“


Weiterführende Links:

BGE Bewegung in Deutschland, Frankreich, Europa und Weltweit

Das BGE Experiment der Partnerregion Nouvelle Aquitaine

Frankreich: die große Region « Nouvelle Aquitaine » startet ein BGE Experiment

Rückblick auf das Treffen der Reflexionsgruppe und die öffentliche Debatte in Bordeaux am 30. September 2016
„Niemand wollte mich am Anfang mit der Idee ernst nehmen“ Martine Alcorta, grüne Abgeordnete im Regionalrat lächelt. Wir trinken zusammen mit Emmanuelle Vignaux, Projektleiterin der Region, und dem Praktikanten Basile Durand, ein Glas Rotwein in Bordeaux. „ Ich habe mich alleine gefühlt, wisst ihr, und dann ist etwas Unwahrscheinliches passiert. Ich habe mein BGE Versuchsprojekt vorgestellt und naja, keiner hat dagegen gestimmt, und es wurde einstimmig vom Regionalrat gewählt.“ Darauf trinken wir; Morgen, Freitag der 30., wird ein großer Tag.
Es trifft sich zum ersten Mal die Reflexionsgruppe, um an der Gestaltung des BGE-Experiments mitzuwirken. Arbeitsgruppen sollen diskutieren und wichtige Fragen und Positionen zum Grundeinkommen-Experiment formulieren. Für folgende Themen gibt es jeweils eine Arbeitsgruppe: Bedingungslosigkeit, Arbeit, Beschäftigung, Sozialschutz und Gerechtigkeit.

Am Abend debattieren bekannte Ökonomen, als Befürworter und Kontrahenten eines BGEs, öffentlich im Regionalrat, und eine Journalistin sammelt die Fragen der Zuschauer. Die Debatte wird live im Internet übertragen. In Frankreich wird die BGE Debatte immer präsenter…und glaubwürdiger! Es passiert übrigens in der „Nouvelle-Aquitaine“, langjähriger Partnerregion des Landes Hessen.
Die Reflexionsgruppe, ein konstruktiver Austausch zwischen Politikern, Akteuren der Zivilgesellschaft und Intellektuellen
Ich möchte mit euch, als Mitglied der Reflexionsgruppe, meine Erfahrungen in Bordeaux teilen, in der Hoffnung dass dieses Beispiel auch unsere Politiker in Deutschland inspiriert. Aus Bordeaux nehme ich spannende Diskussionen, schlaue Einblicke in einer konstruktiven Atmosphäre und warme Erinnerungen mit offenen und engagierten Menschen mit. Nicht zu unterschätzen ist auch das Organisationstalent, das dort offenbart wurde, um das durchdachte BGE-Experiment in einer Realität der partizipativen Demokratie zum Erfolg zu bringen.
Wir werden zur Einführungsveranstaltung in Bordeaux von drei Frauen begrüßt, Martine Alcorta, Emmanuelle Vignaux und Nicole Teke, Pressesprecherin der nationalen BGE Bewegung in Frankreich (MFRB). Das Konzept der „Aktionsforschung“ (recherche-action) wird uns bei dieser Gelegenheit nochmal erklärt.

Dieser Prozess hatte schon im Frühjahr 2016 begonnen, mit einer Machbarkeitsstudie und einer Analyse wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Indikatoren, nun beginnt die Arbeit der Reflexionsgruppe, um für das Experiment die beste Richtung zu finden.
Die Arbeit ist bis zum Sommer 2017 vorgesehen, abschließend soll ein Bericht dem Regionalrat übergeben werden.

Meine Arbeitsgruppe, BGE und Arbeit

Eine Frage, die das BGE immer wieder begleitet, ist die Zukunft der Arbeit. In unserer westlichen Gesellschaft, die ihren Zusammenhalt sehr stark auf das Konzept der (angestellten) Arbeit stützt, wird die innovative Idee des BGE erst Ihre volle Wirkung zeigen, nachdem dieser tiefer Glaubenssatz, allgemein als Ideologie unter anderen, verstanden wird.

In unserer Gruppe sind viele Meinungen vertreten, sowohl solche, die an dem Konzept der traditionellen Arbeit als zentralen Wert unserer Gesellschaft festhalten, als auch solchen, die diesen Wert hinterfragen. Menschen, die die Robotisierung als Konkurrenz ansehen und Menschen, die diese als Befreiung sehen möchten.

Nicole Teke moderiert die Diskussion in unserer Gruppe, auch wenn es konträre Argumente und leidenschaftliche Plädoyers gibt, bleibt die Atmosphäre konstruktiv und der Umgang respektvoll.

Und sofinden wir Zusammen einen Konsens zu wichtigen Fragestellungen, wie zum Beispiel, ob das Grundeinkommen ein Projekt gegen die Arbeit oder für das Nichtstun sei.

Dazu erörtern wir auch wichtige Punkte für die Sicherstellung gesellschaftlicher Ziele, wie sozialer Integration im Einklang mit einer BGE-Einführung, oder noch möglichen Veränderungen in der Arbeitswelt, abhängig von der Höhe eines BGE.

Die wichtigsten Fragestellungen der Arbeitsgruppen sollen auch am Abend während der öffentlichen Konferenz debattiert werden.

Die öffentliche Debatte im Regionalrat

vier unterschiedliche Perspektiven

Bekannte Ökonomen und Philosophen haben am Abend die Gelegenheit, als Befürworter oder Gegner eines BGE in Frankreich, ihre Argumente öffentlich zu diskutieren. Auf der einen Seite argumentieren Baptiste Mylondo und Marc de Basquiat für die Notwendigkeit eines BGE, auf der anderen Seite argumentieren Anne Exdoux und Jean-Marie Harribey dagegen.
Auch Baptiste Mylondo und Marc de Basquiat haben eine grundverschiedene Vorstellung eines BGE und verfolgen antagonistische Gesellschaftsziele.

Marc de Basquiat, Ökonom und Manager bei einem französischen Energie-Konzern, ist auch Präsident des Vereins für die Einführung eines Existenz-Einkommens (AIRE). In Zusammenarbeit mit Gaspard Koenig, ehemaliger Schreiber von Christine Lagarde, schrieb er auch das Buch „Liber, ein Freiheitseinkommen für alle“. De Basquiat wird von vielen Franzosen als der „realistische Befürworter eines BGE“ gepriesen, dabei basiert aber sein Modell auf der negativen Einkommenssteuer (Liber). In seiner Doktorarbeit bietet er eine starke Vereinfachung des französischen Steuermodells und legt nahe, dass sein „Liber“ (zirka 450€) sich ohne Steuererhöhungen finanzieren könnte. Dabei bleibt er in der Kontinuität der klassischen Wirtschaftslehre und folgt dem Gedanken Milton Friedmanns eines Sicherheitsnetzes.

Baptiste Mylondo hingegen plädiert für eine radikale Veränderung der Gesellschaft. Der junge Wirtschaftsprofessor (36), Anthropologe und Philosoph, ist ein Querdenker. Für ihn stehen die traditionellen Werte von Arbeit und Beschäftigung im Wandel. In seinem Buch „Précis d’Utopie réaliste“ (Handbuch für eine realistische Utopie) schildert er die Konturen einer Gesellschaft mit einem BGE (750€ bis 1000€) und errechnet die wirtschaftliche Umverteilung. Als Verfechter einer linken und sozialen Gerechtigkeit ist er auch für Einkommensobergrenzen und Nachhaltigkeit. In seiner Vorstellung ist Wirtschaftwachstum kein vernünftiges Ziel, man solle lieber nach Umverteilung und Lebensqualität streben.

Für Anne Eydoux, Ökonomin beim nationalen Forschungszentrum für Beschäftigung (CNAM), ist die Tatsache, dass in der Welt kaum ein Grundeinkommen außer in Alaska eingeführt wurde, obwohl es diese Idee schon sehr lange gibt, ein Hinweis dafür, lieber existierende Lösungen für soziale Gerechtigkeit zu verbessern.
Letztlich ist für den bekannten Ökonom und Globalisierungskritiker Jean-Marie-Harribey das BGE keine denkbare Lösung, da es die Arbeit als sozialen Integrator gefährden würde. Für ihn könnte ein BGE ein Bestehen der neoliberalen Ordnung ermöglichen. Der frühere Co-Präsident von ATTAC France plädiert deshalb für einen erhöhten Sozialschutz, stärkere Umverteilung und Nachhaltigkeit innerhalb einer Arbeitergesellschaft.

Verlauf der Diskussionen

Wir freuen uns über eine interessante Debatte, die Fragen des Publikums werden aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt, z.B. über die Zukunft der bezahlten Arbeit, die Konditionierung von Sozialleistungen oder die Vereinfachung des Steuersystems.
In Anbetracht der Fragen und der lauten Zustimmung oder Ablehnung des Publikums wird klar, dass viele BGE-Sympathisanten für einen radikalen Wandel in Frankreich sind. Der stetige Applaus im Regionalrat für Vorschläge von Baptiste Mylondo, lassen das Gefühl aufkommen, dass wir vor einer kleinen Revolution stehen.

Schade, dass Mylondo im französischen Senat weniger Zustimmung bekommt, höchstens finden Projekte Gehör, die die alte Ordnung nicht zu sehr verunstalten…

Zusammenfassung

Im Flieger zurück nach Frankfurt fühle ich mich zufrieden; die Reise hat sich gelohnt und die Arbeit mit den Franzosen gibt mir neue Kraft und Ideen. Ich fange an mir Gedanken zu machen, wie wir auch so etwas in Deutschland hinkriegen könnten. Ist die Gesellschaft hier überhaupt in der Lage das Thema ernsthaft zu debattieren? Ich denke schon… aber vielleicht könnten wir in Sachen Streitkultur uns ein wenig von den Franzosen inspirieren lassen.

Eine breite öffentliche Debatte und durchdachte Forschungsprojekte zum Thema BGE sind aus meiner Sicht das beste Mittel um den gesellschaftlichen Fortschritt möglich zu machen, damit die innovative Idee breitere Akzeptanz und Glaubwürdigkeit bekommt.
Die Partnerschaft zwischen Neu-Aquitanien (Nouvelle Aquitaine, Bordeaux) und Hessen könnte vielleicht eine politische Zusammenarbeit beider Regionen für das Thema BGE vereinfachen. Vorort zeigten sich französische Politiker schon einmal sehr interessiert an eine deutsch-französische Herangehensweise.

Nicolas Cuissot-Lecoeuche
Deutsch-französischer BGE Rhein-Main Aktivist und Mitglied der Reflexionsgruppe der Nouvelle Aquitaine

Mehr Infos dazu:

Auf Französisch :

Der Pressebericht der Region Nouvelle-Aquitaine : www.laregion-alpc.fr/communiques-presse/reflexion-sur-revenu-universel-region-nouvelle-aquitaine-lance-demarche-innovante-30-septembre.html“>
Die BGE Debatte in Frankreich, France Cuture

Auf Englisch :
Das Experiment der Nouvelle Aquitaine aus Sicht des BIEN
Nicole Teke während der Basic Income Konferenz in Dänemark über die BGE Debatte in Frankreich

Der Gründungsparteitag in München

Sonntag den 25 September bin ich von Frankfurt nach München gereist, um Im Eine-Welt Haus die Parteigründungsversammlung in Echtzeit zu erleben und euch, liebe BGE Unterstützer aus dem Rhein-Main Gebiet, mit Informationen aus erster Hand zu versorgen.
Mitreden durften leider nur die „akkreditierten Gründer“, 32 Personen, darunter 2/3 Männer. Andere Unterstützer durften die Veranstaltung als Gast verfolgen. „Es gab schon Vorgespräche in der Vergangenheit, heute wird nicht diskutiert“. So die Antwort auf meine Frage wie man hätte zum Gründer oder Mitglied werden können.

14:30: Ich betrete den Saal. Es wird viel diskutiert, die Menschen scheinen sich untereinander zu kennen.
Arnold Schiller, einer der Initiatoren einer Parteigründung mit Ronald Trzoska, steht mit dunklem Anzug, und grüner Krawatte, in den ersten Reihen. Sichtbar erschöpft aber strahlend ist er vertieft in eine lebendige Diskussion.
15:00, der Start verzögert sich, alle reden miteinander und ich fühle mich ein wenig fremd. Eine viertel-Stunde später beginnt endlich die Veranstaltung. Ein junger blonder Mann mit einem Aufkleber „Ron“ auf der Brust, steigt auf der Bühne.

„Warum wir eine Partei gründen wollen? 2013 hatten uns die Grünen und die SPD eine Enquete-Kommission zum Thema Grundeinkommen versprochen und es ist nichts gekommen“. Ron erklärt schlüssig Ziele und Motive der geplanten Partei „Bündnis Grundeinkommen“. So soll diese neue Partei ausschließlich dazu dienen das Thema Grundeinkommen stärker in der politischen Debatte zu bringen. Diese Partei sei anders, weil Sie nicht die Absicht hätte mit anderen Parteien zu konkurrieren sondern zu kooperieren. Man verfolge nicht direkt das Ziel einer Volksabstimmung, nach dem Brexit sei dieses Thema für Parteien in Deutschland noch schwieriger geworden“ so Ronald Trzoska. Man könne das deutsche Wahlsystem sich aber zunutze machen und eine „umgewandelte“ Volksabstimmung, durch die Zweitstimme, erzielen. Rechne man alle Bürger die sich positiv zu einer BGE Einführung geäußert haben, so komme man durchaus über die 5% Grenze. So wäre der Einzug im Bundestag gewährleistet.

Es folgt eine bewegende Rede von Raimund Acker, sichtbar aufgeregt, er hat lange auf diesen Moment gewartet. Er freut sich das viele so zahlreich erschienen sind an diesem Tag. Er sieht die Partei als „Transportmittel“ für die Idee des BGE vielmehr als einen Selbstzweck. „Politische Parteien die als Karrierebrett für professionelle Politiker dienen, dass sei auch ein Grund weshalb Parteien zu oft nur noch mit sich selbst beschäftigt seien“, so R. Acker, „statt neue Inhalte und Lösungen zu bieten um die Zukunft der Menschen zu verbessern“. Die BGE Partei sei anders, weil sie nichts für Karrieristen und vielmehr eine „Herzsache“ als eine „Kopfsache“ sei. Applaus vom Publikum, Raimund Acker verlässt die Bühne, der Versammlungsleiter verkündet die Tagesordnung und erklärt den rechtlichen Rahmen.
Nun erreicht die Spannung ihren Höhepunkt, nach einem kurzen Vorwort zum Programm soll nun der Text „schnell über die Bühne gebracht werden“ so Arnold Schiller. Sollte das Programm keine Mehrheit bekommen so würde dies das Ende der Veranstaltung bedeuten.

Ein Antrag auf Veränderung wird von Verena Nedden gestellt, so soll das Wort „bedingungslos“ systematisch vor jedem „Grundeinkommen“ stehen. Schiller, sichtbar genervt, stellt den Antrag als lächerlich da, „es sei ja klar worum es hier geht“. Der Versammlungsleiter, bittet Ihn darum keine Anträge zu unterbrechen. Kurz darauf wird der Antrag auch mehrheitlich von den Gründern begrüßt. Daraufhin geht es um Rechtschreibung und Kommas… Schließlich wird der Text einstimmig abgestimmt, die Gründer erscheinen als eine starke Gruppe.

Als einziger Kandidat wird Ronald Trzoska zum Vorsitzenden der Partei gewählt, auch Arnold Schiller wird als einziger Kandidat zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und Verena Nedden wird Schatzmeister. Die Vorstellung der neuen Amtsinhaber wird kurz gehalten, die zwei Piraten sind Ihrer Gruppe schon bekannt, Arnold Schiller sei von der süddeutschen Zeitung als „der Macher“ genannt worden. Verena Nedden ist eine Expertin in Steuerrecht.

Später am Abend gibt es für elf von sechzehn Bundesländern jeweils einen sogenannten Beisitzer, für Hessen ist das Gerhard Wagner.
Mein Eindruck vom Gründungsparteitag? Mein Herz wurde dort auf jeden Fall von Niemandem erobert, auch wenn mich die Rede von Raimund Acker mitgenommen hat. Ich bin auf eine geschlossene Gesellschaft gestoßen, die für eine offene Gesellschaft wirbt. Eine kleine Google Recherche verrät dass viele Gründer, Angehörige oder ehemalige Angehörige der Piratenpartei sind.

Ein klares Ziel, die Einführung eines Grundeinkommens durch Lobbyismus im Bundestag für das bedingungslose Grundeinkommen und kein Selbstzweck. Es klingt verführend…Letzendlich wird unser gemeinsames Ziel verfolgt. Schön wäre es, sich als lokale Initiative und als Unterstützer eines Bedingungslosen Grundeinkommens repräsentiert zu fühlen, aber vielleicht kommen ja die Herren bald auf uns zu…

Zum Programm: http://www.buendnis-grundeinkommen.de/programm/

Nicolas Cuissot-Lecoeuche

BGE Parteigründung

Liebe Unterstützer aus dem Rhein-Main,

ich bin dabei für die Parteigründung in München. Wer will auch kommen? Unterstützer aus dem Rhein Main, lasst uns als Interessengemeinschaft sichtbar werden!
In München hat das Bündnis Grundeinkommen am 25. September (http://www.buendnis-grundeinkommen.de) zu einer Gründungsversammlung für die BGE-Partei eingeladen.
Durch die Partei kommt das BGE auf 45 Millionen Wahlzettel. Allein das ist bereits ein Erfolg. Durch die Wahl wird die Anzahl der Befürworter sichtbar.

Wir sollten auch dabei sein um die Idee zu unterstützen und die Ideen unserer Mitglieder zu vertreten. Diese Parteigründung kann zu einer großen Chance werden, aber nur wenn diese uns zusammenbringt, die dafür kämpfen das Kernthema Grundeinkommen immer mehr in der Öffentlichkeit zu bringen.
Wir brauchen klare Strukturen, eine transparente Organisation und eine erhöhte Vernetzung zwischen den lokalen Gruppen.

• Soll das BGE weiterhin ein Randthema bleiben bis die nächste Schweizer Abstimmung kommt oder wird unsere Partei durch Ihre Kompetenz als wichtiger Akteur wahrgenommen?
• Wollen wir nur temporäre Aufmerksamkeit bei der nächsten Wahl oder wollen wir am gesellschaftlichen Wandel langfristig mitwirken?

Ihr habt da sicherlich eure eigene Idee, deshalb laden wir euch zur Gestaltung der Zukunft ein, damit das BGE sich immer glaubwürdiger nach außen präsentieren kann, damit unsere Mitglieder besser voneinander lernen können und bundesweit lebendige Arbeitsgruppen gründen!
Liebe Leute, das ist eine Gelegenheit zur Gruppenbildung: Desto besser wir uns zusammen tun können desto besser wird unser Aktionspotential und unsere Ideenfabrik!
Meldet euch bei mir, bis jetzt bin ich der Einzige der aus dem Rhein-Main nach München fährt…

Wer teilnehmen will, bitte melden unter bge-rhein-main@posteo.de, zwecks Fahrgemeinschaft. Ein „Dudle“ wurde bereits dem Verteiler geschickt.

Viele Grüße!

Nicolas Cuissot-Lecoeuche

Ort: Eine Welt Haus,
Schwanthalerstr. 80 RGB, 80336 München, Zeit: 15:00 bis ca. 18 Uhr,
Einlass: 14:30 Uhr (https://www.buendnis-grundeinkommen.de/gruendung/)